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Pilze in die Sonne legen: mehr Vitamin D im Teller

Vitalpunkt-Redaktion·29. Mai 2026·7 Min. Lesezeit
In Scheiben geschnittene Champignons mit den Lamellen nach oben auf einem Holzbrett in der Sonne auf einer Fensterbank

Der Küchentrick klingt fast zu einfach: Man legt Pilze für ein, zwei Stunden in die pralle Sonne – und plötzlich stecken sie voller Vitamin D. Kurios, aber im Kern richtig. Ein frischer Champignon aus dem Dunkeln enthält kaum Vitamin D. Für Shiitake wiederum wurden nach dem Trocknen in der Sonne mit den Lamellen nach oben Werte von bis zu rund 46'000 internationalen Einheiten (IE) pro 100 Gramm berichtet – ein Vielfaches dessen, was der frische Pilz mitbringt. Dahinter steckt keine Zauberei, sondern dieselbe Chemie, die auch in unserer Haut abläuft. Dieser Beitrag erklärt, warum der Trick funktioniert, wie Sie ihn Schritt für Schritt richtig anwenden und was beim Kochen und Einfrieren passiert.

Kurz gesagt

Pilze enthalten Ergosterol, das unter dem UV-B-Anteil der Sonne zu Vitamin D2 wird. In Scheiben schneiden, Lamellen nach oben, ein bis zwei Stunden direkte Mittagssonne – so steigt der Gehalt deutlich. Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems und zur Erhaltung normaler Knochen bei. Dieser Text bietet allgemeine Information und ersetzt keine ärztliche oder ernährungsmedizinische Beratung.

Bilden Pilze in der Sonne wirklich Vitamin D?

Ja – und der Mechanismus ist gut belegt. Pilze speichern in ihren Zellwänden reichlich Ergosterol, eine fettähnliche Substanz. Trifft der UV-B-Anteil des Sonnenlichts darauf, wird das Ergosterol in Vitamin D2 (Ergocalciferol) umgebaut. Das ist im Prinzip derselbe Vorgang, mit dem unsere Haut aus einer Vorstufe Vitamin D bildet. Genau diese Umwandlung von Provitamin zu Ergocalciferol beschreibt auch die europäische Lebensmittelbehörde EFSA in ihren Bewertungen von UV-behandeltem Pilzpulver.

Dass daraus tatsächlich verwertbares Vitamin D wird, ist am Menschen untersucht. In einer kontrollierten Studie aus Freiburg stieg der Vitamin-D2-Gehalt frischer Champignons durch eine UV-B-Behandlung von unter 1 auf fast 500 Mikrogramm pro 100 Gramm – das entspricht etwa 20'000 IE. Wer daraus eine Suppe ass, verbesserte seinen Vitamin-D-Spiegel ähnlich gut wie mit einem klassischen Vitamin-D2-Präparat. Auch mit wilden Pfifferlingen liess sich in einer älteren Untersuchung zeigen, dass der Körper das enthaltene Ergocalciferol gut aufnimmt. Frisch aus dem Dunkeln gezogene Zuchtpilze bleiben dagegen vitaminarm, solange sie kein UV-Licht gesehen haben.

Schritt für Schritt: so machen Sie es richtig

Der Trick verlangt kein Spezialgerät, nur etwas Timing und die richtige Ausrichtung. Entscheidend ist, dass möglichst viel Oberfläche direktes Sonnenlicht abbekommt – und dass es sich um echtes UV-B handelt, nicht um Licht hinter einer Fensterscheibe.

  • In Scheiben schneiden: Aufgeschnittene Pilze bieten dem Licht viel mehr Fläche als ganze Köpfe. So erreicht das UV-B mehr Ergosterol.
  • Lamellen nach oben: Die Unterseite mit den Lamellen ist besonders ergosterolreich. Legen Sie die Scheiben so aus, dass diese Seite zur Sonne zeigt.
  • Direkte Mittagssonne wählen: Der UV-B-Anteil ist um die Mittagszeit am höchsten. Ein Platz im Freien auf Teller, Brett oder Tuch funktioniert – hinter Fensterglas kaum, weil Glas UV-B fast vollständig herausfiltert.
  • Ein bis zwei Stunden liegen lassen: Als praktischer Richtwert reicht diese Spanne, um den Gehalt spürbar anzuheben. Längere Sonne oder eine zweite Runde am Folgetag kann mehr bringen.

Eine amtliche Zeitvorgabe gibt es nicht, denn das Ergebnis hängt von Jahreszeit, Uhrzeit, Höhenlage und Wolken ab. Im Schweizer Sommer über Mittag geht es schnell, im Winter oder bei Dunst deutlich langsamer. Wer sichergehen will, kombiniert die selbst besonnten Pilze einfach mit anderen Vitamin-D-Quellen auf dem Teller.

Welche Pilze haben am meisten Vitamin D?

Weniger die Sorte entscheidet als die UV-Behandlung. Alle gängigen Speisepilze sind ergosterolreich und reagieren gut auf Licht. Die folgende Übersicht ordnet typische Grössenordnungen ein; die Werte schwanken stark je nach Sonnenmenge und Zubereitung und dienen nur der Orientierung.

Pilz / ZustandVitamin D (ca., pro 100 g)Gut zu wissen
Champignon, frisch aus Zuchtsehr wenig (unter ~40 IE)im Dunkeln gewachsen, kaum Vitamin D
Champignon, UV- oder sonnenbehandeltmehrere Tausend bis ~20'000 IEin Scheiben, Lamellen nach oben
Shiitake, sonnengetrocknetbis zu ~46'000 IE (berichtet)Spitzenwerte bei Lamellen nach oben
Austernpilz, Kräuterseitlingsteigt nach UV deutlich anebenfalls ergosterolreich
Pfifferling (wild)je nach Standort etwas Vitamin Dam Naturstandort dem Licht ausgesetzt

Die berichteten Spitzenwerte für sonnengetrocknete Shiitake wirken enorm, sollten aber nüchtern gelesen werden: Von getrockneten Pilzen isst man selten 100 Gramm auf einmal, und die tatsächlich aufgenommene Menge hängt vom Körper ab. Trotzdem zeigt die Grössenordnung, wie viel Potenzial in einem Handgriff steckt.

bis 46'000 IE
berichteter Vitamin-D-Gehalt in sonnengetrockneten Shiitake pro 100 g, Lamellen nach oben.
1–2 Std.
direkte Mittagssonne gelten als praktischer Richtwert für frische Scheiben.
2 Wochen
nach dieser Zeit stieg der Vitamin-D-Spiegel in einer Studie mit UV-Pilzen messbar.

Bleibt das Vitamin D beim Kochen erhalten?

Zum grössten Teil ja. Vitamin D2 gilt als vergleichsweise hitzestabil, sodass beim normalen Dünsten oder kurzen Anbraten ein grosser Anteil im Pilz bleibt. Ganz verlustfrei ist Kochen aber nicht: Eine Studie beobachtete, dass beim Zubereiten sonnenbehandelter Pilze ein Teil des Vitamin D2 verloren ging – besonders bei langem, heissem Garen in viel Fett. Als Faustregel gilt darum: kurz und schonend garen bringt mehr auf den Teller als stundenlanges Schmoren.

Wer die Pilze nicht sofort verwendet, sollte zum Gefrierfach greifen. Einfrieren konserviert das Vitamin D2 gut, sodass sich eine grössere Portion sonnenbehandelter Pilze problemlos auf Vorrat anlegen lässt. So lohnt sich der Aufwand an einem sonnigen Tag gleich für mehrere Mahlzeiten – ein praktischer Vorteil, den viele Ratgeber unterschlagen. Wie sich pflanzliche Nährstoffe generell durch Vorbehandlung besser nutzen lassen, ist ein wiederkehrendes Thema im Vitalstoffe-Ratgeber.

Nur bekannte Speisepilze verwenden – kein Ersatz bei Mangel

Legen Sie ausschliesslich sicher bestimmte Speisepilze in die Sonne, niemals unbekannte Wildpilze. Sonnenbehandelte Pilze sind eine feine Ergänzung, aber kein Ersatz für eine ärztlich festgestellte und behandelte Unterversorgung. Bei anhaltender Müdigkeit oder Beschwerden gehört der Vitamin-D-Status ärztlich abgeklärt. In akuten Notfällen gilt in der Schweiz die Notrufnummer 144.

Wie viel bringt das für den Vitamin-D-Spiegel?

Einiges – mit einer Einschränkung. Pilze liefern Vitamin D2, während unsere Haut und die meisten Präparate Vitamin D3 bereitstellen. Eine Übersichtsarbeit mehrerer Studien kam zum Schluss, dass Vitamin D3 den Gesamtwert im Blut etwas stärker anhebt als die gleiche Menge Vitamin D2. Beide Formen erhöhen jedoch verlässlich ihren jeweiligen Messwert, und die menschlichen Studien mit UV-Pilzen zeigen klar: Der Spiegel steigt. In einer dieser Studien war der Anstieg nach zwei Wochen messbar.

Für den Alltag heisst das: Selbst besonnte Pilze sind eine sinnvolle, saisonale Ergänzung – gerade im Sommerhalbjahr, wenn Sonne ohnehin verfügbar ist. Über die dunklen Monate, in denen der Körper kaum eigenes Vitamin D bildet, ersetzen sie eine gezielte Versorgung aber nicht automatisch. Die Schweizer Fachstellen wie das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) empfehlen, den Bedarf über eine abwechslungsreiche Kost und – wo nötig – gezielt zu decken. Die Pilze auf der Fensterbank sind dabei ein charmanter, gut belegter Baustein.

Bilden Pilze in der Sonne Vitamin D?

Ja. Pilze enthalten Ergosterol, eine Vorstufe, die unter dem UV-B-Anteil des Sonnenlichts zu Vitamin D2 (Ergocalciferol) umgebaut wird – im Prinzip derselbe Vorgang wie in unserer Haut. Frische Pilze liefern von Natur aus nur sehr wenig Vitamin D. Nach ein bis zwei Stunden in direkter Sonne kann der Gehalt aber deutlich ansteigen, weil das UV-Licht die Umwandlung in Gang setzt.

Wie lange muss man Pilze in die Sonne legen?

Es gibt keine amtliche Vorgabe. Als praktischer Richtwert gelten ein bis zwei Stunden direkte Mittagssonne, wenn der UV-B-Anteil am höchsten ist. Schneiden Sie die Pilze vorher in Scheiben und legen Sie sie mit den Lamellen nach oben, damit möglichst viel Fläche das Licht abbekommt. Ein längerer Zeitraum oder mehrere sonnige Stunden können den Gehalt weiter erhöhen. Bei bedecktem Himmel oder hinter Fensterglas funktioniert es kaum, weil das nötige UV-B fehlt.

Welche Pilze haben am meisten Vitamin D?

Entscheidend ist weniger die Pilzart als die UV-Behandlung. Champignons, Shiitake, Austernpilze und Kräuterseitlinge reagieren alle gut, weil sie viel Ergosterol enthalten. Besonders hohe Werte wurden für sonnengetrocknete Shiitake berichtet, die mit den Lamellen nach oben getrocknet wurden. Frische, im Dunkeln gezogene Zuchtpilze enthalten dagegen kaum Vitamin D, solange sie kein UV-Licht gesehen haben.

Bleibt das Vitamin D beim Kochen der Pilze erhalten?

Zum grössten Teil ja. Vitamin D2 ist recht hitzestabil, sodass beim normalen Dünsten oder Braten ein grosser Anteil erhalten bleibt. Eine Studie beobachtete allerdings, dass beim Kochen ein Teil des Vitamin D2 verloren gehen kann – vor allem bei langem, heissem Garen. Einfrieren konserviert das Vitamin D2 dagegen gut, sodass sich sonnenbehandelte Pilze problemlos auf Vorrat einfrieren lassen.

Sind sonnenbehandelte Pilze ein Ersatz für ein Vitamin-D-Präparat?

Nicht zwingend. Sonnenbehandelte Pilze sind eine gut belegte, saisonale Ergänzung und können den Vitamin-D-Spiegel messbar anheben. Bei einem ärztlich festgestellten Mangel oder in den lichtarmen Wintermonaten ersetzen sie eine gezielte Versorgung aber nicht automatisch. Ob und wie viel zusätzliches Vitamin D sinnvoll ist, klärt am besten eine Fachperson anhand der Blutwerte.

Quellen

  1. Urbain P, Singler F, Ihorst G, et al. Bioavailability of vitamin D2 from UV-B-irradiated button mushrooms in healthy adults deficient in serum 25-hydroxyvitamin D: a randomized controlled trial. Eur J Clin Nutr. 2011. doi.org/10.1038/ejcn.2011.53
  2. Outila TA, Mattila PH, Piironen VI, Lamberg-Allardt CJ. Bioavailability of vitamin D from wild edible mushrooms (Cantharellus tubaeformis) as measured with a human bioassay. Am J Clin Nutr. 1999. doi.org/10.1093/ajcn/69.1.95
  3. Mehrotra A, Calvo MS, Beelman RB, et al. Bioavailability of vitamin D2 from enriched mushrooms in prediabetic adults: a randomized controlled trial. Eur J Clin Nutr. 2014. doi.org/10.1038/ejcn.2014.157
  4. van den Heuvel EG, Lips P, Schoonmade LJ, et al. Comparison of the effect of daily vitamin D2 and vitamin D3 supplementation on serum 25-hydroxyvitamin D concentration. Adv Nutr. 2023. doi.org/10.1016/j.advnut.2023.09.016
  5. EFSA NDA Panel. Safety of vitamin D mushroom powder as a Novel food. EFSA J. 2022 & 2024. doi.org/10.2903/j.efsa.2022.7326
  6. Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) & Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE): Vitamin D – Versorgung in der Schweiz. blv.admin.ch

Fachliteratur teilweise via PubMed recherchiert.

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