Mikrowelle und Vitamine: schonender als kochen?


Kaum ein Küchengerät hat einen so hartnäckig schlechten Ruf wie die Mikrowelle. «Die zerstört doch alle Vitamine» gehört zu den Sätzen, die man häufiger hört als überprüft. Die Physik dahinter gibt das nicht her: Mikrowellen versetzen Wassermoleküle in Schwingung und erzeugen so Wärme – genau wie jede andere Garmethode, nur an einem anderen Ort. Was Vitamine tatsächlich zerstört, sind Hitze, Zeit, Sauerstoff und Wasser. Und bei zweien dieser vier Faktoren schneidet die Mikrowelle oft besser ab als der Kochtopf.
Die Mikrowelle zerstört Vitamine nicht auf besondere Weise. Massgeblich sind Gartemperatur, Garzeit und vor allem die Wassermenge. Weil in der Mikrowelle kurz und mit wenig Wasser gegart wird, bleiben oft mehr wasserlösliche Vitamine erhalten als beim Kochen im Topf. Dämpfen bleibt eine sehr gute Methode. Studien mit gegenteiligen Ergebnissen verwendeten meist viel Wasser.
Mikrowellen sind elektromagnetische Wellen im Bereich der Radiowellen – energiearm und nicht ionisierend. Sie können keine chemischen Bindungen aufbrechen und keine Radioaktivität erzeugen. Was sie tun: Sie regen Wassermoleküle im Lebensmittel zum Schwingen an, wodurch Reibungswärme entsteht.
Im Topf wird die Wärme von aussen zugeführt und wandert nach innen. In der Mikrowelle entsteht sie in den äusseren Millimetern des Lebensmittels selbst und verteilt sich von dort. Das Ergebnis ist dasselbe – erhitztes Essen –, nur der Weg dorthin ist ein anderer und meist deutlich kürzer. Für Vitamine zählt genau das: kürzere Zeit bei Hitze bedeutet weniger Verlust.
Hitze, Zeit, Sauerstoff und Wasser. Vitamin C und die B-Gruppe sind wasserlöslich und wandern beim Kochen ins Wasser ab, wo sie mit dem Abgiessen verloren gehen. Hitze zerstört zusätzlich einen Teil. Fettlösliche Vitamine wie A, D, E und K sind deutlich robuster. Wie gross die Verluste je nach Garmethode ausfallen, zeigt der Beitrag zum Vitamin-C-Verlust beim Kochen.
Die folgenden Grössenordnungen gelten für Vitamin C, das empfindlichste der gängigen Vitamine. Die Werte schwanken je nach Gemüse, Zerkleinerung und Dauer erheblich – die Rangfolge ist stabiler als die Zahlen.
| Methode | Wasserkontakt | Vitamin-C-Verlust (grob) |
|---|---|---|
| Roh | keiner | kein Garverlust |
| Dämpfen | nur Dampf | gering |
| Mikrowelle mit wenig Wasser | minimal | gering |
| Dünsten im eigenen Saft | gering | gering bis mittel |
| Mikrowelle mit viel Wasser | hoch | mittel bis hoch |
| Kochen in viel Wasser | sehr hoch | hoch |
| Langes Warmhalten | variabel | sehr hoch |
Die entscheidende Zeile ist die vorletzte: Nicht die Methode an sich, sondern die Wassermenge treibt den Verlust. Eine Mikrowelle, in der Gemüse in reichlich Wasser schwimmt, schneidet schlecht ab – ein Kochtopf mit zwei Zentimetern Wasser dagegen gut.
Der Mikrowelle wurde ihr Ruf unter anderem von einzelnen Untersuchungen verpasst, die für sie hohe Verluste an sekundären Pflanzenstoffen fanden. Beim genauen Hinsehen zeigt sich meist derselbe methodische Punkt.
In mehreren viel zitierten Versuchen wurde das Gemüse in der Mikrowelle in reichlich Wasser gegart, während die Vergleichsmethode fast ohne Wasser auskam. Gemessen wurde damit nicht der Effekt der Mikrowelle, sondern der Effekt des Wassers. Untersuchungen, die die Wassermenge konstant halten, finden für die Mikrowelle regelmässig gute Ergebnisse – oft besser als für das Kochen im Topf.
Eine berechtigte Einschränkung gibt es: Mikrowellen erhitzen ungleichmässig. Es entstehen heisse Zonen, in denen lokal höhere Temperaturen auftreten können. Umrühren und kurze Ruhezeiten gleichen das aus. Für die Vitaminbilanz spielt dieser Punkt eine kleinere Rolle als die Wassermenge.
Drei Handgriffe machen den Unterschied, und sie sind schnell erklärt.
Erstens: möglichst wenig Wasser – ein bis zwei Esslöffel genügen für eine Portion Gemüse, der Rest kommt aus dem Gemüse selbst. Zweitens: abgedeckt garen, damit der Dampf bleibt und die Zeit kurz wird. Drittens: lieber in kurzen Intervallen mit Umrühren dazwischen als in einem langen Durchgang. Und wie überall gilt: Gemüse erst kurz vor dem Garen schneiden, nicht Stunden vorher – jede Schnittfläche ist eine Angriffsfläche.
Bei aller Detailfreude lohnt der Blick auf die Grössenordnungen. Der Unterschied zwischen zwei Garmethoden liegt bei einem einzelnen Vitamin oft im Bereich von zehn bis zwanzig Prozentpunkten. Der Unterschied zwischen «Gemüse gegessen» und «kein Gemüse gegessen» liegt bei hundert Prozent.
Wer wegen der Vitaminfrage seltener Gemüse isst, weil das schonende Garen zu umständlich erscheint, hat unter dem Strich verloren. Die Mikrowelle senkt die Hemmschwelle, schnell etwas Gemüse zuzubereiten – und das ist ernährungsphysiologisch mehr wert als die letzten Prozentpunkte Vitamin C. Ähnlich pragmatisch fällt die Bilanz bei Tiefkühlgemüse aus.
Nicht auf besondere Weise. Mikrowellen sind energiearm und nicht ionisierend; sie können keine chemischen Bindungen aufbrechen. Sie erzeugen Wärme, indem sie Wassermoleküle in Schwingung versetzen. Was Vitamine zerstört, sind Hitze, Zeit, Sauerstoff und Wasser – dieselben Faktoren wie bei jeder anderen Garmethode. Weil in der Mikrowelle kurz und mit wenig Wasser gegart wird, bleiben oft mehr Vitamine erhalten als beim Kochen im Topf.
In der Regel ja, sofern wenig Wasser verwendet wird. Beim Kochen in viel Wasser wandern wasserlösliche Vitamine wie Vitamin C und die B-Gruppe ins Kochwasser ab und gehen mit dem Abgiessen verloren. In der Mikrowelle ist sowohl die Garzeit kürzer als auch der Wasserkontakt geringer. Wird das Gemüse allerdings in reichlich Wasser in die Mikrowelle gestellt, verschwindet dieser Vorteil.
Weil in mehreren viel zitierten Versuchen das Gemüse in der Mikrowelle in reichlich Wasser gegart wurde, während die Vergleichsmethode fast ohne Wasser auskam. Gemessen wurde damit nicht der Effekt der Mikrowelle, sondern der Effekt des Wassers. Untersuchungen, die die Wassermenge konstant halten, finden für die Mikrowelle regelmässig gute Ergebnisse.
Dämpfen und Garen mit sehr wenig Wasser schneiden am besten ab, weil das Gemüse kaum Wasserkontakt hat und die Zeit kurz bleibt. Die Mikrowelle mit ein bis zwei Esslöffeln Wasser liegt in derselben Grössenordnung. Am ungünstigsten sind das Kochen in viel Wasser und langes Warmhalten. Roh ist naturgemäss ohne Garverlust, aber nicht bei jedem Gemüse sinnvoll.
Mit möglichst wenig Wasser – ein bis zwei Esslöffel genügen für eine Portion, der Rest kommt aus dem Gemüse selbst. Abgedeckt garen, damit der Dampf bleibt und die Zeit kurz wird. Und lieber in kurzen Intervallen mit Umrühren dazwischen als in einem langen Durchgang, weil Mikrowellen ungleichmässig erhitzen. Das Gemüse erst kurz vor dem Garen schneiden.
Nein. Mikrowellen sind nicht ionisierend und hinterlassen keine Strahlung im Lebensmittel. Sobald das Gerät abgeschaltet ist, endet die Einwirkung – vergleichbar mit Licht, das erlischt. Das Essen wird nicht radioaktiv und verändert sich chemisch nicht anders als bei anderen Garmethoden. Wichtig ist lediglich mikrowellengeeignetes Geschirr, da manche Kunststoffe bei Hitze Stoffe abgeben können.